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Sonntag, 22. Oktober 2017
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Dr. Andrea Flemmer, Biologin zum Thema Ernährung

flemmer Dr. Andrea Flemmer, Biologin zum Thema ErnährungGesund alt werden ist ihr Credo.

Mit der Diplom-Biologin und Ernährungswissenschaftlerin und Autorin im Gespräch.

BLL: Was ist der Grund für Ihr Interesse über Gesundheitsthemen zu schreiben?

Flemmer: Also ganz ehrlich: ich habe Biologie studiert, um im Umweltschutz zu arbeiten. Nach der Promotion begann ich auch als kommunale Umweltschutzbeauftrage. Als ich Nachwuchs bekam, wollte mein Chef keine Halbtagskraft für die Position und machte mir das Leben denkbar schwer. Da entschloss ich mich meinen Kindheitstraum der Schriftstellerin zu erfüllen und hatte Glück: Mein Thema „Was kann man überhaupt noch essen“ interessierte den Umschau-Verlag. Dann stieß ich auf das Buch „Bioaktive Wirkstoffe in Lebensmitteln“ von Prof. Leitzmann und Prof. Watzl und ich fand, dass man die wissenschaftlichen Erkenntnisse daraus auch Laien zugängig machen sollte und so erschien mein Buch „Das Anti-Krebs-Kochbuch“. Als dann die Vitamindebatte kam und man der Bevölkerung suggerierte, dass sie ohne Tabletten aufgrund einer verfehlten Landwirtschaftspolitik, nicht mehr auskommen würde, entstanden meine Bücher: „Das Multi-Vitamin-Kochbuch“, „Das Mineralstoffkochbuch“ und schließlich „Die Vitaminlüge“. So kam eines zum anderen und manchmal muss ich mir für ein  von mir gewünschtes Thema wieder einen anderen Verlag suchen, bin aber über meinen jetzigen Verlag sehr glücklich. Aktuell schreibe ich ein Buch über die Schilddrüse, weil ich die Untersuchungen und die Ergebnisse vorsichtig formuliert verwirrend fand. Deshalb wollte ich Genaueres darüber wissen und glücklicherweise wollte das mein Verlag auch. Das Demenz-Buch schrieb ich, als meine Mutter daran erkrankte.

BLL: Welche sind die wichtigsten Punkte um gesund alt zu werden?

Flemmer: Nicht rauchen, wenig Alkohol, gesunde Vollwerternährung möglichst in Bioqualität und tatsächlich auf bestimmte Vitamine achten, wie ich es in meinem Buch „Gesunde Ernährung ab 40“ beschrieben habe. Auch soziale Kontakte sind wichtig.

BLL: Wie ist das Bewusstsein der Bevölkerung für gesunde Ernährung?

Flemmer: Sehr unterschiedlich. Das Interesse beginnt im Grunde dann, wenn man ein Kind erwartet und alles für dessen Gesundheit tun will. Dann ist das Interesse geweckt, wenn man gesundheitliche Probleme hat. Ansonsten ist das Interesse sehr durchwachsen.

BLL: Was halten Sie von Nahrungsergänzungsmittel?

Flemmer: Bei gesunder Ernährung braucht man sie eigentlich nicht. Manchmal dienen sie als Ersatz für Medikamente, wenn der Arzt mal wieder etwas nicht verschreiben darf. Man muss sich schon sehr genau auskennen, um nicht zu unnützen Präparaten zu greifen.

BLL: Sollte der Speiseplan für Menschen ab 50 anders abgestimmt werden als in jungen Jahren?

Flemmer: Das hat mich selber überrascht: Ja! Mit zunehmendem Alter benötigt man bestimmte Vitamine und Mineralstoffe vermehrt. Da muss man sich so manches Mal umstellen.

BLL: Wie hängt Umweltschutz mit der Ernährung  zusammen?

Flemmer: Sehr viel. Wenn man glaubt, man kann die Natur permanent vergewaltigen, wird man auf Dauer auf sehr brutale Art dazulernen müssen. Leider hat sich einiges von dem, was wir im Studium lernten auf bittere Weise verwirklicht, ich denke da mal an die Verwendung von Antibiotika in der Massentierhaltung. Krass fand ich auch ein Beispiel aus China: dort haben sie mit Pestiziden manche Landstriche bienenfrei bekommen. Jetzt müssen die Chinesen in Apfel-, Birnen- und andere Bäume klettern, um selbst die Bestäubung vorzunehmen. Das sah auf den Bildern recht lustig aus, ist aber leider bitterer Ernst.

BLL: Gibt es eine Grundregel für gute Ernährung?

Flemmer: Vollwertig und aus ökologischem Anbau.

BLL: Was sind Ihre persönlichen Ziele für die Zukunft?

Flemmer: Noch mehr zu erfahren über alternative Heilverfahren und weiterhin Neues entdecken. Ich finde zum Beispiel das Thema Heilpilze sehr interessant. Das wird in meinen zukünftigen und auch den bisherigen Büchern ein Thema sein.

Danke für das Interview.

 

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