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Sonntag, 22. Oktober 2017
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Multiresistente TB: Kurzzeittherapien oft ungeeignet

 Multiresistente TB: Kurzzeittherapien oft ungeeignetStandard-Antibiotika gegen viele Stämme der TB-Bakterien wirkungslos.

Kurzzeittherapien der multiresistenten Tuberkulose (TB) werden in Europa nur in den wenigsten Fällen erfolgreich eingesetzt. Zu diesem Schluss kommen Experten des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF). Denn die Behandlung der immer weiter verbreiteten multiresistenten Tuberkulose ist nebenwirkungsreich, teuer und vor allem langwierig.

Dramatische Ausbreitung von TB

Seit Mai 2016 empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Kurzzeittherapie für betroffene Patienten, wenn die Bakterien gegen alle eingesetzten Medikamente auch empfindlich sind. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich Antibiotika-resistente Stämme der Tuberkulose-Bakterien dramatisch ausgebreitet. In einigen Ländern Osteuropas werden bereits mehr als 40 Prozent aller Tuberkulosefälle durch multiresistente Bakterienstämme (MDR-TB) verursacht.

Die WHO hat bisher empfohlen, dass Patienten mit einer MDR-TB mit mindestens vier verschiedenen Medikamenten über mindestens 20 Monate täglich behandelt werden. In Studien aus Bangladesch, dem Niger und Kamerun stellte sich aber heraus, dass mit einer bestimmten Kombinationstherapie von Tuberkulosemedikamenten nur neun bis zwölf Monate einer Behandlung ausreichen, um mehr als 80 Prozent aller Patienten zu heilen. Die WHO empfiehlt vor diesem Hintergrund daher seit Mai 2016 die angesprochene Kurzzeittherapie.

92 Prozent kommen nicht infrage

DZIF-Wissenschaftler vom Forschungszentrum Borstel haben in den vergangenen Jahren die Ausbreitung multiresistenter Stämme der Tuberkulose-Bakterien in Europa genauer untersucht und dabei festgestellt, dass die Bakterien, die sich in Europa verbreiten, gegen besonders viele Antibiotika resistent sind. Sie verglichen nun das Niveau der Antibiotikaresistenz von Tuberkulosebakterien bei mehr als 1.000 MDR-TB-Patienten aus Europa. Fazit: Über 92 Prozent aller Patienten in Europa kommen nicht für die Kurzzeittherapie infrage, da die Bakterien gegen mindestens eines der Medikamente bereits resistent sind.

 

Foto: pixelio.de, Dieter Schütz

 

pte

 

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