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Dienstag, 19. Juni 2018
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Netzgemeinde schaut Autorin beim Schreiben zu

 Netzgemeinde schaut Autorin beim Schreiben zu

Einsame Feder: längst nicht mehr die Norm pixelio.de, Wilhelmine Wulff

User können auch Änderungen in neuem Fantasy-Roman vorschlagen.Die britische Fantasy-Autorin Silvia Hartmann http://silviahartmann.com hat vor kurzem das Projekt “The Naked Writer” ins Leben gerufen. Sie schreibt ihren neuen Roman “The Dragon Lords” in Form eines öffentlichen Google-Dokuments http://bit.ly/S8eOoU wie britische Medien berichten. Somit können neugierige Leser die Entstehung der ersten Rohfassung des Buches Wort für Wort in Echtzeit mitverfolgen. Interessierte Beobachter können auch Vorschläge für Verbesserungen in Kommentarform hinterlassen, endgültige inhaltliche Entscheidungen bleiben aber in der Hand der Autorin.

“Das ist ein mutiger Ansatz und eine tolle Idee, die neue Konzepte in der Literatur unterstützt. So öffentlich zu schreiben, ist eine neue Erfahrung. Das kollaborative Element zwingt den Autor, seine Charaktere loszulassen. In der stillen Kammer sind Handlung und Charaktere unverrückbar, das ist hier anders. Seinen ersten Entwurf der Öffentlichkeit zu präsentieren, ist dabei gar nicht so ungewöhnlich. Viele bekannte Autoren bestehen auf der Veröffentlichung ihrer unüberarbeiteten Rohfassungen. Das Feedback ist normalerweise durchwegs positiv, die wenigen negativen Kommentare steckt man weg”, sagt Gergely Teglasy http://www.tg-text.com , Autor des ersten Facebook-Romans “Zwirbler“.

Mutige Entscheidung

Hartmann hat am 12. September um 09:00 Uhr Vormittags mit dem Schreiben ihres neuesten Werkes begonnen. Seither hat sie schon die ersten drei Kapitel vollendet, das vierte entsteht derzeit gerade. Es ist das erste Mal, dass sich die Autorin während des Schreibens der Beobachtung durch die Netzgemeinde aussetzt. Hartmann hat bereits mehrere Bücher verfasst, sowohl Fantasy-Romane – unter dem Pseudonym Nick StarFields – als auch Selbsthilfebücher. Den großen Durchbruch als Autorin hat die ihrer Homepage nach zu schließen esoterisch angehauchte Schriftstellerin bisher aber nicht geschafft.

Auch “The Dragon Lords” setzt laut Kritikern keine neuen Qualitätsmaßstäbe. Der Guardian bezeichnet den bisher geschriebenen Text als “ziemlich verrückt”. Allerdings muss an dieser Stelle gesagt werden, dass es sich beim Google-Dokument lediglich um einen ersten Entwurf handelt, nachträgliche Verbesserungen sind nicht ausgeschlossen. Zudem können ja auch die Besucher der Seite Änderungen anregen. “Wenn ein Vorschlag die Geschichte vorantreibt, werde ich ihn übernehmen. Am Ende vertraue ich aber meinen Instinkten, auch gegen die Mehrheitsmeinung”, so die Autorin.

Neue Literaturform

Literatur, die live im Netz oder als Online-Kollaboration entsteht, ist heute keine Seltenheit mehr. Neue Formen des Schreibens finden schon breite Anerkennung.

“Die Anerkennung der Gemeinde steigt. Am Anfang gab es um solche Projekte einen Hype, der den Autoren auch geholfen hat. Mittlerweile haben sich neue Literaturformen teilweise schon als echte Alternative zu Büchern etabliert. Mein Projekt “Zwirbler” erhält immer mehr Kommentare und Beiträge, obwohl die Fans wegen technischer Änderungen bei Facebook die Seite mittlerweile sehr oft besuchen müssen, um die Status-Updates überhaupt angezeigt zu bekommen. Trotzdem hat Zwirbler mittlerweile fast 10.000 Fans”, so Teglasy.

pte

 

 

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