Flagge Österreich Flagge Österreich
Samstag, 23. Juni 2018
Besser Länger Leben » Allgemein » Fachkräftemangel in Deutschland nur ein Mythos

Fachkräftemangel in Deutschland nur ein Mythos

 

 Fachkräftemangel in Deutschland nur ein Mythos

Qualifizierter Ingenieur: Ältere am Abstellgleis (Foto: pixelio.de, berlin-pics)

Qualifizierte Ingenieure weiter gefragt – Ältere häufig benachteiligt

20.400 Ingenieure sind in Deutschland arbeitslos gemeldet, zugleich können mindestens 76.000 Stellen nicht besetzt werden – eine Diskrepanz, die nun Experten auf den Plan ruft. “Die Ansprüche unserer Kunden haben sich nicht geändert. Die Unternehmen suchen weiterhin die besten Kandidaten, die es auf dem Arbeitsmarkt gibt”, so Mark Hayes, Leiter des Competence Center Engineering von Harvey Nash http://harveynash.com/de . Er vermittelt IT-Fachkräfte und Ingenieure an große Unternehmen der Automobil- und Zulieferbranche.

Künftiger Bedarf ungedeckt

Vor allem für Entwicklungsbereiche wie zum Beispiel Antriebssysteme für Elektroautos und Fahrerassistenz-Systeme wird hochqualifiziertes Personal händeringend gesucht. Den Eindruck verstärkt der Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (VDE) http://vde.de. Laut dem VDE besteht die Gefahr, dass der Fachkräftemangel die Elektro- und Automobilbranche ausbremst. “Neun von zehn Unternehmen in der Elektro- und IT-Industrie sind der Meinung, dass die Elektromobilität die Nachfrage nach Elektroingenieuren weiter erhöhen wird. Acht von zehn befragten Unternehmen befürchten, ihren Ingenieursbedarf künftig nicht ausreichend decken zu können”, so VDR-Chef Hans Heinz Zimmer.

Es werden zwar Fachkräfte gesucht, aber nicht jeder bekommt einen Job. Es scheint so, als könnten Ältere den hohen Ansprüchen der Branche nicht mehr genügen. “Jüngere Ingenieure haben Vorteile: Sie verdienen noch nicht so viel wie jemand mit 30 Jahren Berufserfahrung. Außerdem orientieren sie sich an den jüngsten Entwicklungen der Branche”, sagt Hayes. Ältere Profis ab 55 Jahren hätten dagegen auch mit Vorurteilen zu kämpfen. “Manche befürchten, dass sie mit einer altväterlichen Überheblichkeit auftreten oder festgefahrene Verhaltensweisen zeigen wie ‘Das habe ich schon immer so gemacht’”, erläutert Hayes.

Weiterbildungen bedeutsam

Angesichts dieser Situation stellt sich die berechtigte Frage, wie gut Ältere in die oft jungen Entwicklerteams passen. Laut Hayes sind solche Verhaltensweisen aber nicht an das Alter geknüpft. “Wir stellen immer wieder fest, dass es vielmehr eine Frage der grundsätzlichen Einstellung ist und nicht des Alters. Älteren Ingenieuren rät der Personalexperte sich schon mit Mitte 40 zukunftsträchtige Themenfelder auszusuchen und dies mit Weiterbildungen zu verknüpfen. Die Zusatzqualifikationen sollten aber etwas mit der aktuellen, konkreten Berufspraxis zu tun haben. Ein neues Feld per Weiterqualifikation zu erlernen, bringe nichts.

Gerade ältere, gut qualifizierte Ingenieure mit einem geraden, schlüssigen Lebenslauf – also wenigen Branchen- und Arbeitgeberwechseln und wenigen Phasen der Arbeitslosigkeit – haben auch im Alter gute Chancen, ist sich der Personalfachmann sicher. Wer einmal arbeitslos ist, sollte sich auch auf flexible Arbeitsformen einstellen, rät Hayes. “Über eine Selbstständigkeit oder auch einer Arbeitsnehmerüberlassung kommt man einfacher in neue Projekte. Dort sammelt man neue Erfahrungen und bekommt neue Skills. Auch das Selbstbewusstsein wird gestärkt.” Allerdings sei dies gerade für ältere Ingenieure, die viele Jahre festangestellt waren, ein schwerer Schritt.

pte

share save 256 24 Fachkräftemangel in Deutschland nur ein Mythos